„Akustische Witterungsbilder“ (2012) – Klanginstallation

Klanginstallation im Foyer des Musiktheater im Revier Gelsenkirchen (in Max 6 programmiert) in Vorbereitung auf die Uraufführung der Oper „Sprung in die Leere“.

witterungsbilder

Die „akustischen Witterungsbilder“ setzen sich mit Yves Kleins Bildern, dem Unterschied zwischen bildender Kunst und Musik und mit der Wahrnehmung von Zeit auseinander.

In seinen Witterungsbildern („Kosmogonien“) bannte Yves Klein über mehrere Tage  hinweg Witterungseinflüsse wie Wind, Regen oder Sonnenschein auf Leinwand. Auf diese Weise gelang es ihm, einen längeren Zeitraum in einen einzigen Moment, in ein einziges Bild zu frieren. Auf der Leinwand wird Zeit abgebildet, ohne dass Zeit vergeht.

Die „akustischen Witterungsbilder“ sind einsekündige Audio-Aufnahmen, die an verschiedenen öffentlichen Orten über einen längeren Zeitraum in einem bestimmten Zeitintervall gemacht wurden. Das Ergebnis ist eine Sammlung einsekündiger Schnipsel als akustische Momentaufnahme des jeweiligen Ortes.

Mit der Programmieroberfläche MAX 6 kann man sowohl die Aufnahme, als auch die Weiterverarbeitung steuern:

Die Schnipsel werden in einer begehbaren Installation zum Hören bereitgestellt. Der Besucher kann über einen Regler selbst die Geschwindigkeit beeinflussen, in der die Schnipsel nacheinander wiedergegeben werden. Das reicht von mehreren Sekunden Pause zwischen den einzelnen Schnipseln bis hin zu einem flüssigen Ablauf ohne Pause, so dass ein „Zeitraffer-Bild“ von beispielsweise 5 Tagen in wenigen Sekunden durchgehört werden kann. Man kann dann sehr gut die Laut- und Ruhephasen (Tag und Nacht) der Stadt wahrnehmen.

In der Musik können wir die Abhängigkeit vom Zeitablauf nicht überwinden.

Selbst das gleichzeitige Abspielen aller vorhandenen Audioschnipsel wird eine gewisse Zeitspanne in Anspruch nehmen. Sind die aufgenommenen Schnipsel 1 Sekunde lang, so benötigt das Witterungsbild immer noch 1 Sekunde, um komplett zu existieren. Sobald aber diese Sekunde vorbei ist, existiert auch das Bild nicht mehr. Es ist unmöglich, in der Musik einen Moment einzufrieren.

Felix Leuschner Witterungsbilder

Die Witterungsbilder der Installation im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen 2012 waren:

Nr. 1) Außenaufnahme Liboriusstraße (Arbeitswohnung von Felix Leuschner)

Aufnahmezeitraum: 5 Tage (22.4.2012 – 27.4.2012)

Intervall: 1 Sekunde pro 15 Minuten

Gesamtlänge der Aufnahme: 8 Minuten

Nr. 2) Aufnahme im Foyer des MiR während der Premiere von „Rusalka“

Aufnahmezeitraum: 5 Stunden (29.4.2012)

Intervall: 1 Sekunde pro 5 Minuten

Gesamtlänge der Aufnahme: 1 Minute

Nr. 3) Arbeitsgespräch von Felix Leuschner und Reto Finger

Aufnahmezeitraum: 2 Stunden

Intervall: 1 Sekunde pro 1 Minute

Gesamtlänge der Aufnahme: 2 Minuten

Nr. 4) Live-Witterungsbild

Über ein Mikrofon wurde ein Witterungsbild live generiert. Das Intervall konnte vom Benutzer verändert werden, was einen variablen Aufnahmezeitraum von 10 Aufnahmen pro Sekunde bis zu 10 Aufnahmen pro Minute ermöglichte

Nr. 5) Witterungsbild von Stille